
Gewalt im Einsatz – PTBS, Therapieabbrüche und warum neue Wege notwendig sind
1. Gewalt gegen Einsatzkräfte: eine belegte Realität
Das Bundeslagebild des Bundeskriminalamts (BKA) für 2024 zeigt erneut einen Höchststand bei Gewalttaten gegen Einsatzkräfte in Deutschland.
Zentrale Fakten:
- 46.367 Gewalttaten gegen Polizeikräfte
- 106.875 betroffene Polizistinnen und Polizisten
- 2.916 Opfer bei Rettungsdiensten und THW – höchster Wert seit 2018
- Seit 2015:
- +38,5 % mehr Gewalttaten
- +67,2 % mehr betroffene Polizeibeamte
- Gewalt konzentriert sich überproportional auf Großstädte
- Fast jede zweite Tat unter Alkoholeinfluss
- Täter überwiegend allein handelnd und häufig polizeibekannt
Gesichert ist:
Gewalt gegen Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste ist kein Ausnahmeereignis mehr, sondern Teil des beruflichen Alltags.
2. Gewalt endet nicht mit dem Einsatz
Was in der öffentlichen Wahrnehmung oft ausgeblendet wird:Gewalt im Einsatz wirkt psychisch langfristig nach.
Medizinisch-psychologisch gelten als klassische Auslöser traumatischer Belastungsreaktionen:
- direkte körperliche Gewalt
- massive Bedrohung
- Kontrollverlust und Ohnmacht
- Tod oder schwere Verletzungen im Einsatz
- Einsätze mit Kindern
- moralische Konflikte („moral injury“)
Besonders relevant für Einsatzkräfte ist die kumulative Traumatisierung: Nicht ein einzelnes Ereignis, sondern die Summe vieler belastender Einsätze führt zur Erkrankung.
3. PTBS bei Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten
Gesicherte Studienlage
GruppeGeschätzte PTBS-RateAllgemeinbevölkerungca. 1–3 %Polizeica. 7–10 %Rettungsdienstca. 10–20 %Feuerwehrca. 5–10 %
Diese Werte stammen aus nationalen und internationalen Studien und gelten als realistische Bandbreiten.
Ehrliche Einordnung
- Die Dunkelziffer ist hoch
- Viele Betroffene:
- vermeiden Diagnosen
- melden sich nicht krank
- funktionieren jahrelang weiter
- Häufige Problematik:
- Fehldiagnosen (z. B. Depression statt PTBS)
- Ausschluss aus spezialisierten Therapieangeboten
- verspäteter oder gar kein Therapiebeginn
4. Ein oft verdrängtes Thema: Abbruchraten bei Traumatherapien
Traumatherapie ist wirksam – wenn sie begonnen, durchgehalten und abgeschlossen wird. Genau hier liegt ein zentrales strukturelles Problem.
Gesicherte Zahlen
- Durchschnittliche Abbruchrate bei PTBS-Therapien:
ca. 16–25 % - Bei Hochbelastungsgruppen (Militär, Polizei, Rettungsdienst):häufig 25–40 %, teils darüber
➡️ Realistisch betrachtet bricht jede vierte bis dritte betroffene Person eine Traumatherapie vorzeitig ab.
5. Warum brechen Menschen Traumatherapien ab?
Abbrüche sind kein Zeichen von Schwäche, sondern gut erklärbar.
Hauptgründe (wissenschaftlich belegt):
- Überforderung durch frühe Trauma-Konfrontation
- Vermeidungsverhalten (Kernsymptom der PTBS)
- fehlende therapeutische Beziehung / Vertrauen
- Parallelbelastungen (Dienst, Schichtarbeit, Familie)
- Komorbiditäten (Depression, Substanzkonsum, Schlafstörungen)
- Strukturelle Hürden (Zugang, Termine, Bürokratie, Setting)
Wichtig:
Abbruch bedeutet nicht Therapieversagen – sondern fehlende Passung zum aktuellen Zustand.
6. Können pferdegestützte Settings Abbrüche reduzieren?
Was gesichert ist
- Pferdegestützte, traumasensible Interventionen zeigen:
- hohe Akzeptanz
- niedrige Einstiegshürden
- stabile Teilnahme
- starke Bindung an das Setting
- Besonders bei Einsatzkräften:
- geringere Stigmatisierung
- höhere intrinsische Motivation
Ehrliche Bewertung der Datenlage
Es existiert keine große Metaanalyse, die exakte Prozentwerte zur Abbruchreduktion belegt. Was es gibt:
- kleinere Studien
- qualitative Forschung
- internationale Programme (Veteranen, First Responder)
- konsistente Praxiserfahrungen
Diese zeigen deutlich geringere Dropout-Tendenzen, insbesondere:
- vor Beginn klassischer Traumatherapie
- begleitend zur laufenden Therapie
Fachlich plausibler Wirkmechanismus
Pferdegestützte Arbeit wirkt, weil sie:
- nicht primär sprach- oder konfrontationsbasiert ist
- Sicherheit vor Trauma-Bearbeitung ermöglicht
- Selbstwirksamkeit fördert
- das Nervensystem über Beziehung, Rhythmus und Körper reguliert
- Beziehung ohne Bewertung erlaubt
➡️ Fachlich korrekt formuliert:
Pferdegestützte Interventionen können als stabilisierende Brücke wirken und damit die Wahrscheinlichkeit von Therapieabbrüchen senken.
7. Das strukturelle Versorgungsproblem in Deutschland
Trotz steigender Gewalt und Belastung bestehen weiterhin:
- zu wenige spezialisierte Therapieplätze
- lange Wartezeiten
- hohe bürokratische Hürden
- kaum niedrigschwellige Angebote
- wenig auf Einsatzkräfte zugeschnittene Konzepte
Ergebnis:
Viele Betroffene bleiben unversorgt oder brechen Hilfeprozesse frühzeitig ab.
8. Warum Ghost Rock Legacy hier ansetzt
Ghost Rock Legacy versteht sich nicht als Ersatz, sondern als ergänzendes, vorbereitendes und begleitendes Angebot zur klassischen Traumatherapie.
Der Ansatz:
- traumasensibel
- niedrigschwellig
- pferdegestützt
- beziehungs- und stabilisierungsorientiert
- einsatznah
Ziel ist es,
- Stabilität herzustellen,
- Vertrauen aufzubauen,
- Selbstwirksamkeit zu fördern
- und Betroffene im Hilfesystem zu halten, statt sie zu verlieren.
9. Kompakte Infobox: Zahlen & Einordnung
PTBS-Raten bei Einsatzkräften
- Polizei: ca. 7–10 %
- Rettungsdienst: ca. 10–20 %
- Feuerwehr: ca. 5–10 %
Abbruchraten Traumatherapie
- Allgemein: ca. 16–25 %
- Hochbelastungsgruppen: ca. 25–40 %
Hauptgründe für Abbrüche
- Überforderung
- Vermeidung
- fehlende Bindung
- Parallelbelastungen
- unpassendes Setting
Pferdegestützte Ansätze
- hohe Akzeptanz
- niedrige Einstiegshürden
- stabilisierende Wirkung
- wahrscheinliche Reduktion von Abbrüchen
10. Warum das ohne Unterstützung nicht möglich ist
traumasensible, pferdegestützte Arbeit ist ressourcenintensiv:
- qualifiziertes Fachpersonal
- artgerechte Pferdehaltung
- sichere Infrastruktur
- kontinuierliche Betreuung
- langfristige Verlässlichkeit
Diese Arbeit ist nicht kostendeckend über Regelversorgung finanzierbar, insbesondere nicht in der frühen Stabilisierung.
Ohne zusätzliche Unterstützung bedeutet das:
- weniger Plätze
- Wartelisten
- Abbruch statt Begleitung
11. Deine Unterstützung macht den Unterschied
Wenn Einsatzkräfte:
- früher Hilfe bekommen sollen,
- Therapien nicht abbrechen müssen,
- einen stabilen Zugang finden sollen,
dann braucht es zivilgesellschaftliche Unterstützung.
Konkret möglich durch:
- Spenden, um Therapie- und Stabilitätsangebote zu finanzieren
- Mitgliedschaften, um langfristige Strukturen aufzubauen
- Weitertragen des Themas, um Sichtbarkeit zu schaffen
Klarer Abschluss
Gewalt im Einsatz nimmt zu. PTBS ist eine reale Folge. Therapieabbrüche sind häufig – und vermeidbar.
Ghost Rock Legacy arbeitet daran, diese Lücke zu schließen. Mit Haltung. Mit Struktur. Mit Verantwortung.